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Der neue Gürtel | Kurzgeschichte

Kurzgeschichte von Alois Steiner: Der neue Gürtel. Lesen Sie hier kostenlos die Kurzgeschichte unter http://www.alois-steiner.de

Bestimmt jeder von uns hat schon seine Erfahrung damit gemacht: Der Reißverschluss klemmt, oder ein Knopf hat sich gelöst. Oh Gott, wie peinlich!!!

Wie fast vor jedem Wochenende, waren wir auch an jenem Samstag wie gewohnt auf unserem Wochenmarkt, um frische Lebensmittel einzukaufen.
Jeder kennt die Stände wo neben Lederwaren in Form von Portemonnaies, auch Taschen und Gürtel angeboten werden. Meine Frau äußerte schon länger den Wunsch, sich nach einem neuen Gürtel umzusehen, da der alte ihrer Meinung nach, schon lange ausgedient hatte. Die Sachen fürs Wochenende waren schnell zusammen. Noch ein kurzer Klönschnack mit Bekannten, die man immer wieder und fast zur gleichen Zeit, an bestimmten Ständen mit hoher Wahrscheinlichkeit antraf.
Der Gürtel war auch schnell ausgesucht. Er sollte schon etwas Chic haben, nicht diese vorsintflutlichen Riemen, wo man den Stahldorn in die vorgegebenen Löcher manövrieren musste. Nein, nein, dieser machte Klickgeräusche, wenn man das Ende durch die Schnalle gleiten ließ. Das hörte sich sportlich und dynamisch an. Der Vorteil dabei war auch die schon fast narrensichere Bedienung. Falls er noch zu locker saß, einfach am losen Ende ziehen, klick, klick, und schon wurde er fester. Soweit so gut.
Das Wochenende verlief ohne weiter nennenswerte Zwischenfälle.
Am Montag fuhr meine Frau mit dem Rad und der neuen Errungenschaft, dem neuen Gürtel, zur Waterfront Bremen. Ich machte mich in der Zwischenzeit Zuhause über meine Zeichnung her. Da ich nach einigen kläglich gescheiterten Versuchen, es doch wieder mit Öl zu riskieren, die Pinsel in die Ecke geschmissen habe, hatte ich das unbändige Verlangen nach einem Erfolgserlebnis um mein ramponiertes Selbstbewusstsein wieder zu stabilisieren. Ich holte die guten alten Grafitstifte wieder aus der Schublade und versetzte mich für einige Stunden entspannt in eine andere Welt.
Dann kam Helga zurück.
Schon am Geräusch, wie unter die schwere Haustür ins Schloss fiel, ließ mich unvermittelt aufhorchen. Ich hatte mich gerade von meiner Staffelei abgewandt, da stand sie auch schon vor mir. In der Linken, anklagend mir entgegengestreckt, der Lederriemen und in der rechten Hand die Schnalle. Noch ziemlich aufgebracht schilderte sie mir ihr Erlebnis.
Wie es eben so ist, musste sie im unpassendsten Moment zur Toilette. Zum Glück ist die Waterfront ein riesiges Einkaufszentrum. Es mangelte also nicht an Toiletten. Hier kommt der erste Satz wieder ins Spiel. Wer kennt es nicht, der Reißverschluss klemmt.

Der war aber diesmal nicht der Hauptdarsteller, nein, es war der Gürtel. Er ließ sich nicht öffnen. Und in der aufkommenden Panik, gemischt mit monsunartigen Schweißausbrüchen, schnürte sich der Gürtel, mit einem dynamisch sportlichen klick, klick, immer enger.
Nur durch das beherzte Eingreifen und unter Zuhilfenahme einer Schere, konnte eine Verkäuferin den drohenden "Super-Gau" verhindern.

Fazit: Bevor man die Tür ins Schloss fallen lässt, sollte man nach dem Schlüssel fühlen.
Zwei Tage lang, wurde anschließend im Wohnzimmer geübt, heute fuhr sie wieder mit Gürtel los ...

Der_Guertel_Helga_Steiner

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