Mit 77 Jahren auf die Edelweißspitze!
Jahrelang hatten wir darüber gesprochen, jetzt haben wir es durchgezogen: Die Bezwingung der legendären Edelweißspitze auf 2.571 Metern. Für mich war es nicht der erste Versuch, sondern das Begleichen einer ganz alten Rechnung aus dem Jahr 2019..

Rückblick 2019: Die Nebel- schlacht des
„frechen Rentners“
Damals peitschte ich das Rad in sagenhaften 1 Stunde und 57 Minuten nach oben. Das Problem? Ich habe von der wunderschönen Bergwelt absolut nichts gesehen – es herrschte dichter, brutaler Nebel. Ich habe damals einfach nur getreten, getreten und getreten.
Unterwegs habe ich reihenweise die klassischen Rennradfahrer verärgert, weil ich als Rentner ganz frech von hinten geklingelt habe: „Entschuldigung, ich muss Sie überholen! Ich habe es eilig, ich bin schließlich nicht mehr der Jüngste!“ 😉
Oben angekommen, war das historische Kopfsteinpflaster klatschnass und spiegelglatt. Die Wolkendecke riss exakt für ein winziges Zeitfenster von 30 Sekunden auf, gab den Blick kurz frei, und dann war wieder Feierabend. Damals schwor ich mir: Ich komme wieder. Ich will diesen Ausblick im Sonnenschein! Und jetzt, im September, war es endlich so weit – mit stolzen 77 Jahren im Gepäck.

🤫 Die Notlüge mit der
„Ladestation“
Los ging es von unserer Ferienwohnung in der Südsteiermark, um meine gute Bekannte in Leoben abzuholen. Sie hatte bis zuletzt schwere Zweifel, ob sie es schaffen würde. Ihre größte Sorge: Die Akkukapazität ihres Rades. Um sie zu beruhigen, schickte ich ihr vorab einen Artikel über die zahlreichen Ladestationen an der Glocknerstraße. Was ich ihr (vorsichtshalber) verschwiegen hatte: Die Stationen waren ausschließlich für E-Autos gedacht... 😉
Zwar hatte ich zwei große Ersatzakkus im Gepäck, allerdings waren diese mit ihrem Bike überhaupt nicht kompatibel. Es musste also auch so klappen! Nach einer Zwischenübernachtung in Fusch standen wir morgens am Start.

☀️ Goldener Morgen und „Red Bull Ring“-Feeling
Am Morgen war es noch empfindlich frisch, aber die umliegenden Berggipfel strahlten bereits im goldenen Licht der aufgehenden Sonne. Beim Aufstieg in Richtung Hochmais trafen uns die ersten warmen Sonnenstrahlen. Zeit für eine ausgiebige Pause! Wir machten uns über die reichlich bestückten Lunchpakete her, die uns das Hotel statt des Frühstücks mitgegeben hatte.
Danach ging es richtig zur Sache. Obwohl auf der gesamten Alpenstraße maximal 70 km/h erlaubt sind, fühlte man sich zwischenzeitlich wie auf dem Red Bull Ring – hochmotorisierte Sportwagen und Motorräder lieferten sich lautstarke Rennen. Wir ließen uns nicht aus der Ruhe bringen und schraubten uns Serpentine für Serpentine höher. An der Abzweigung zum Fuscher Törl belohnte uns ein unfassbarer Panoramablick für die Mühen. Ein absoluter Traum!

🎉 Das große Finale auf 2.571 Metern
Oben angekommen bot sich uns ein wildes Bild: Die Plattform war komplett vollgeparkt mit Luxusautos der obersten Preisklasse und unzähligen Motorradfahrern. Aber das Wichtigste: Wir hatten es geschafft! Diesmal bei absolutem Traumwetter!
Ein Blick auf die Displays verriet das wahre Drama: Meine Bekannte hatte tatsächlich noch einen einzigen Strich übrig – Punktlandung! Ich selbst musste zur Sicherheit bereits an Kehre 12 auf meinen frischen Ersatzakku wechseln. Erst hier oben gestand ich ihr lachend, dass es auf der Strecke gar keine E-Bike-Ladestationen gab (auch wenn wir im Restaurant sicher Unterschlupf gefunden hätten).
Unsere Bilanz: 2 Stunden und 45 Minuten schweißtreibender, aber wunderschöner Kampf nach oben.
Die Belohnung: Eine rasante, 36-minütige Abfahrt zurück nach Fusch, bei der die Bremsen glühten! Die Rechnung von 2019 ist offiziell beglichen.