San Bernardino per Rad – Feuer, Kraft & Farben

 San Bernardino, ich komme!

Als wir 2015 von Florenz zurückfuhren und über den San Bernardino nach Hause rollten, schwor ich mir: Diesen gewaltigen Alpenpass wirst du vor deinem siebzigsten Geburtstag mit dem eigenen Rad bezwingen! Vier Jahre später war der große Tag gekommen. Und das Schicksal schrieb das perfekte Drehbuch: Ich bezwang den Pass auf den Meter genau an meinem 70. Geburtstag! Es war nicht nur eine extreme sportliche Herausforderung, sondern eine zutiefst persönliche Reise zurück zu meiner eigenen Kraft. Genau dieses Versprechen an mich selbst hat mir gezeigt, dass Grenzen oft nur im Kopf existieren. Eine Erfahrung, die mich bis heute beflügelt und perfekt zu meiner Philosophie von „Feuer, Kraft & Farben“ passt.

Ankunft in Biasca

Die Anreise war kein Problem, da ich nachts fuhr und pünktlich zur Frühstückszeit in Biasca ankam. Ich hatte mir diese Kleinstadt als Ausgangspunkt ausgesucht, da ich von hier zwei Möglichkeiten hatte, um auf den San Bernardino zu gelangen. Wie sich herausstellte, war diese Entscheidung Gold wert. Denn meine ursprüngliche Planung war, dass ich bei meiner ersten Etappe den Bernardino bezwinge, danach locker durch die Viamala- und die Rheinschlucht nach Tamins rolle und über den Lukmanierpass zurück nach Biasca fahre. Durch Murenabgänge war die Passstraße zum Bernardino an diesem Morgen leider komplett gesperrt.

Die 1. Etappe

Da ich zum Glück, wie immer, nichts vorab gebucht hatte, konnte ich mich kurzfristig umentscheiden. 
Kurz nach dem Frühstück schwang ich mich in den Sattel und fuhr hoch zum Pass Lucmagne. Er gab mir einen kleinen Vorgeschmack, was mich am Bernardino erwarten würde.
Nach über 100 km wurde es Zeit mich um eine Bleibe für die Nacht zu kümmern. Im Internet wurde mir eine Unterkunft in Ilanz angeboten. Es nannte sich "Haus der Begegnung" und entpuppte sich als Kloster. Die Zelle, so wie die Zimmer genannt wurden, waren spartanisch aber es fehlte nichts an Komfort. Internetzugang hatte man nur an einer gewissen Stelle. Dass ich mit Nonnen und Mönche an einem Tisch beim Frühstück saß, war gewöhnungsbedürftig.

Die 2. Etappe

Am nächsten Morgen verließ ich mit dem Segen der Schwester Oberin das Kloster. An der linken Seite des Rheins stieg es stetig bergan. Es ist eine traumhafte Gegend – immer der Blick runter in die Rheinschlucht. Es sollte aber noch besser kommen. Ich näherte mich der Viamala, einer der berühmtesten Schluchten der Schweiz. Das Wetter tat sein Bestes und bei herrlichem Sonnenschein kam ich dort an. Selbstverständlich musste ich mir die Schlucht, wie viele andere auch, aus der Nähe betrachten. Ein paar Kilometer weiter zeigte sich die Rofflaschlucht bei stahlblauem Himmel von ihrer schönsten Seite. In Splügen fand ich eine kleine Pension. Vor mir stand nun die letzte, große Etappe an.

 

Er steht vor mir

Zum Glück hatte mich das Wetter dazu gezwungen, den San Bernardino von der Nordseite zu befahren. Kurz nach 8 Uhr saß ich fest im Sattel und radelte voller Stolz und Tatendrang den Hinterrhein entlang. Am letzten Rastplatz machte ich noch einmal Halt, bevor ich die Rheinbrücke überquerte und nach oben schaute. 24 Kehren lagen vor mir, wovon ich nur die ersten sehen konnte, da sich die anderen im Nebel versteckt hielten. Schon am Vorabend hatte ich die Akkus meines E-Bikes an die Ladestation angeschlossen und überprüft. 
Ich war erstaunt, wie flach es dahinging. Eine Kehre nach der anderen ließ ich hinter mir. Es wurde immer kälter, je höher ich kam. Auf der Passhöhe überraschte mich Hagel und eisige Kälte. Die Südseite war wesentlich steiler. Biasca erreichte ich um 14 Uhr. Mit der Radlerhose setzte ich mich ins Auto und erreichte die Südsteiermark um 22 Uhr, wo ich mich 4 Tage ausruhte, ohne dem Rad eines Blickes zu würdigen.

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