Pedale Österreich – Feuer, Kraft & Farben

Aufbruch nach Österreich: Unternehmen 1000:14

2013. Ein Jahr nach meiner Genesung stand fest: Ich will es wissen. Das Ziel war Österreich, aber der wahre Weg lag vor mir. Um mir selbst den ultimativen Schubs zu geben, hatte ich mir extra T-Shirts für die Tour drucken lassen – mit der unmissverständlichen Aufschrift: 1000:14. Tausend Kilometer in vierzehn Tagen. Ein echtes Statement. Mit stolzen 24 Kilogramm Gepäck auf meinem selbstgebauten Rad ging es los. Es war ein Aufbruch ins Ungewisse, voller Tatendrang, aber auch mit einer gehörigen Portion Respekt im Bauch.

Das Rad steht bereit

Aus zwei alten Rädern hatte ich mir in monatelanger Werkstattarbeit mein ganz eigenes Reiserad zusammengebaut. Als ich das erste Mal die vollen 24 Kilo Gepäck auflud, schlug das Herz bis zum Hals. Würde die Konstruktion halten? Würden meine Beine das schaffen? Jede Schraube war von mir festgezogen – jetzt gab es kein Zurück mehr.

Der Wahnsinns-Start

Am ersten Tag schaffte ich weit über 100 km – damals noch komplett ohne künstlichen Rückenwind. Doch der Weg forderte mich sofort: Zwischen Nienburg und Neustadt am Rübenberge kassierte ich den ersten Platten. Nach einer kurzen Pause im Herrenhäuser Gärten-Areal in Hannover ging der Kampf weiter. In Hildesheim verfuhr ich mich auf der verdammten Straße „Wiederkehr-Wall“ gleich dreimal, bevor ich nach sagenhaften 176 Kilometern völlig platt mein Etappenziel in Diekholzen erreichte.

Abkürzungen & Kettenriss

Am nächsten Morgen kostete mich meine erste „Abkürzung“ für nur 8 km quälende 3 Stunden Kraft und Nerven. Durch diese berühmt-berüchtigten Abkürzungen verlängerte sich meine geplante Route am Ende übrigens von ursprünglich 1000 auf stolze 1180 Kilometer! Tag drei wurde noch schlimmer: Dauernd sprang die Kette runter, bis sie auf dem Weg nach Greußen endgültig riss! Zum Glück fand ich in Osterode einen Fahrradhändler. Doch während der Reparatur klaute man mir in einem unbewachten Moment auch noch den Helm. Ziemlich bedient, aber mit neuer Kette und neuem Helm, radelte ich stur noch 104 km weiter bis nach Greußen.

Der Zieleinlauf in Mautern

Noch 16 Kilometer bis zum Ziel. Nach genau 35 Minuten bin ich am Ortsschild Mautern angekommen. Es kommt mir plötzlich alles unwirklich vor – bin ich in der Realität oder träume ich nur? Mir wird flau im Magen, Gedankenblitze durchzucken mein Gehirn wie Wetterleuchten.

Beinahe schwerelos bewege ich mich auf den Ortskern zu und lande vor einer Gaststätte. Drinnen sind die Gäste in absoluter Feierlaune und spielen Ziehharmonika. Ich habe das natürlich sofort als exklusiven Empfang für mein erfolgreich bezwungenes „Unternehmen 1180:14“ reklamiert – auch wenn es in Wirklichkeit nicht mir galt. Ein herrlicher, lautstarker Abschluss für einen unvergesslichen Weg.

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